Metall-Blog

In regelmäßigen Abständen greifen wir Themen aus der Werkstoff- und Schweißtechnik sowie dem Qualitätsmanagement im metallverarbeitenden Betrieb auf. Sie sind herzlich eingeladen, die dargestellten Einträge zu kommentieren und interessante Diskussionen anzustoßen.

23.01.2018

Lieferzustand +AR – Joker für alles?

Häufig gibt es Unklarheit darüber, was genau der Lieferzustand +AR („as rolled“ oder, zu deutsch, „wie gewalzt“) eines gewalzten Stahlprodukts ist. Für Manche ist es eine Art Joker, unter dem alles Mögliche geliefert werden kann, egal, ob vergütet, normalisiert oder thermomechanisch gewalzt. Tatsächlich ist aber in der DIN EN 10025-2 definiert, was +AR bedeutet, nämlich, dass ohne besondere Walzbedingungen und/oder Wärmebehandlung gearbeitet wird. Das heißt, das Walzgut wird in einem bestimmten Temperaturfenster auf Endabmessung warmgewalzt und dann an Luft abgekühlt. Das trifft naturgemäß nicht auf Vergüten, Normalisieren und thermomechanisches Walzen zu. Bei diesen Verfahren werden besondere Temperaturführungen angewendet und somit sind sie nicht +AR.

Kritisch kann z. B. das Liefern eines thermomechanisch gewalzten Produkts unter der Bezeichnung +AR werden. Wenn im Betrieb nach dem Abkanten oder Schweißen für ein solches Produkt noch eine Wärmebehandlung geplant ist, beispielsweise ein Normalglühen, so können dadurch Streckgrenze und Zugfestigkeit unter die Mindestanforderung sinken. Das darf natürlich nicht passieren. Daher: Wenn +AR draufsteht, muss auch der einfache Zustand „wie gewalzt“ vorhanden sein.

Jana Heyer - 11:02 @ Stahl | Kommentar hinzufügen